Wenn Kinder nach ihren Eltern kommen …

Seit 2 Tagen geht mir durch den Kopf „Was passiert wenn Kinder nach ihren Eltern kommen“.
Aktuell bin ich wiedermal Tante geworden. Aber so wirklich freuen kann ich mich darüber nicht.
Die Halbschwester, die mich wiedermal zur Tante gemacht hat, hat keine Ausbildung, keinen Job, keine ordentliche Familie – alles in allem -> sie hat nix. Traurig aber wahr.
Wer sie sieht wird auch denken „arme Maus“. Mir tut sie eigentlich auch nur noch leid. Aber leider ist ihr nicht mehr zu helfen. :'( Dani und ich haben es schon oft versucht.


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Zur Geschichte:
Unsere Mutter war nicht gerade eine Vorzeigemutter. Mütterlicherseits sind wir 7 (!) Mädchen!!!! Alle auch mit demselben Vater? Nee. Eine Schwester und ich haben denselben Papa, aber alle anderen haben unterschiedliche Väter. Die Tatsache ist aus meiner Sicht schon total heftig.
Meine 2 größeren Halbschwestern und die meisten kleineren sind in´s Heim gekommen als sie noch klein waren. Eine davon ist gerademal adoptiert worden und hatte ein schönes Leben mit den Adoptiveltern. Sie hatte Glück. Und die zwei kleinsten sind bei der Mutter geblieben.
Schlimmer hätte es die beiden echt nicht treffen können. Unsere Mutter war total dem Alkohol verfallen.
Ich selber habe sie mit 15 Jahren erst kennengelernt. Die Zeit die wir dann zusammen hatten war nicht schlecht. Sie hat auch nur ein einziges Mal – wenn ich bei ihr war – ein Bier getrunken. Aber: Wenn ich zu ihr nach Hause kam waren meine 2 kleine Halbschwestern immer in der Küche. Sie wollten so gern auch mal zu mir kommen und durften nicht. Dani hat mir mal erzählt, daß ich ihnen manchmal Lutscher mitgebracht habe. Aber ich werd halt alt – ich kann mich nicht dran erinnern. 😉
Jedenfalls haben sie eine ganze Menge durchmachen müssen, worüber ich nur noch heulen könnte. Wie kann man seinen eigenen Kindern derartige Sachen antun?!?!?! Ich möchte hier aber nicht näher drauf eingehen. Nur soviel: Ich bin froh, daß ich meine Dani noch habe!
So, und nun sind alle erwachsen. Und wie haben sie sich entwickelt?
Dani ist das komplette Gegenteil unserer Mutter geworden. Sie hat einen tollen Schulabschluß hingelegt. Hat ihre Ausbildung erfolgreich geschafft und arbeitet seit Jahren in der Pflege. Auch familiär ist sie glücklich. Sie hat 2 süße Söhne und einen tollen Partner. Nur arbeitsmäßig muß ich ihr manchmal die Löffel langziehen, wenn sie wiedermal zu viel macht und nicht an ihre Gesundheit denkt. *grml*
Und was ist aus der Kleinsten geworden? Es ist echt traurig. Sie ist total nach der Mutter gekommen. Kein gescheiter Schulabschluß, keine Ausbildung, keine Arbeit. Sie hat jetzt ihr (ich glaube) 5. Kind bekommen. Das erste Kind lebt beim Vater, das zweite in einer Pflegefamilie welche das Kind jetzt wohl auch adoptiert hat. Nr. 3 und 4 leben bei ihr. Aber ob das so gut ist, bei den Partnern die sie so hatte/hat? *grübl* Und nun noch Nr. 5. Wie kann ich mich da darüber freuen???
Selber hat sie auch gesoffen was das Zeug hält. Momentan ist sie meines Wissens nach trocken und ich hoffe, daß sie das auch bleibt.
Ich hoffe nur, daß sie irgendwann mal endlich aufwacht!

Ich selber komme zum Glück auch nicht nach unserer Mutter. Im Alter von 1-1,5 Jahren haben mich meine Großelli´s (als Pflegeeltern) aufgenommen. Ich hatte eine paradiesische Kindheit. Sie haben mir fast jeden Wunsch von den Augen abgelesen und geholfen wo es nur ging.
Nur in meiner Pubertät bin ich am Rad gedreht und wir haben uns total zerstritten.
Seit ich nun mit meinem Mann glücklich zusammen bin, hat sich auch mein Verhältnis zu meinen Großelli´s total verbessert – enger geht es nimmer. *grins* Jeder ist für die anderen da – so wie es in einer Familie sein muß. Ich bin ihnen echt so unendlich dankbar, daß sie mich damals gerettet haben.
Aber die Geschichte um unsere Mutter wurde mir trotzdem erzählt. Und das war für mich immer ein total abschreckendes Beispiel. Ich habe mir geschworen NIE in der Schwangerschaft zu rauchen und zu trinken – denn genau das hat sie bei jedem Kind gemacht.
Als ich mit unserer Großen schwanger war, hat mein Mann mich zum Italiener eingeladen. Na prima! Beim Italiener gehört für mich ein Lambrusco dazu. Ich hab ewig überlegt ob ich mir einen bestelle. Mein Süßer – der die ganze Geschichte kennt – sagte nur, daß ein einziges Glas nix ausmacht. Tja, letzten Endes hab ich vor lauter schlechtem Gewissen nur ein halbes geschafft.
Auch mit dem Rauchen hab ich bei beiden sofort aufgehört.
Ich komm wiederum total nach meinem Papa. Aber die Geschichte um ihn und warum ich nicht bei ihm aufgewachsen bin erzähl ich euch ein anderes Mal. 😉
Jedenfalls sind wir beide irgendwie Paradiesvögel. Daran liegt es wohl auch, daß wir beide uns einen Paradiesvogel als Firmenlogo ausgesucht haben. Selbst wo ich meine Firma nun nicht mehr habe – der Paradiesvogel ist geblieben. *breitgrins*
Tja, und unsere Kinder? Ich seh jetzt schon, daß Mimii total nach mir kommt. Und unsere Lilly kommt mehr nach dem Papa. Aber alles in allem sind die zwei eine super Mischung aus uns beiden geworden. *stolzbin*
 
Ihr seht – so unterschiedlich kann sich das Leben eines jeden entwickeln.
Ich wünsche unserer Kleinsten trotz allem alles erdenklich Gute und daß sie endlich bald ein ganz normales Leben führt.

Was habt ihr so für Erfahrungen mit dem Thema „Wenn Kinder nach den Eltern kommen“ gemacht?

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